Gesamtstrategie

Die autonome Entscheidung der Teilnahme an einer selbstorganisierten Formation produziert subjektive Kompetenzerweiterung – durch Austausch und Umverteilung von Wissen, Bewußtsein und Erfahrung – sowie objektive Kooperationen, die auf dieser gründen.

Der kontinuierlich dynamische Prozess macht die Selbstorganisation (SO) und ihre ProduzentInnen beweglich und integrationsfähig. Solches Selfempowerment der migrantischen Subjekte eröffnet eine realistische Verbindung von illusionären Wünschen und praktikablen Perspektiven bezogen auf die Arbeitswelt, da grundsätzlich von einer Lernfähigkeit unter/voneinander auszugehen ist, also auch Erfahrungen tradiert und neue Ideen kreiert werden können. Die möglichen Phantasien vom “gelobten Land” werden oft genug konterkariert durch die enttäuschende Realität einer prinzipiell diskriminierend organisierten Umwelt, die der bislang gewohnten Identität tiefe Verunsicherungen zufügt. Dieser Destabilisierung kann durch migrantische Selbstorganisierung entgegen gewirkt werden, da sie der Bildung von Selbstbewußtsein förderlich ist. Durch diese Mehrung der Handlungsfähigkeit (der Einzelnen, der Gruppe, der Organisationen, der Netzwerke) bleibt das Konzept einer antidiskriminatorischen Gesellschaft nicht bloße Absicht, denn es geht dabei nicht um assimilatorische und Unterschiede nivellierende Zwangsbeglückungen, sondern um die Strategie der Affirmation von Differenzen, um dadurch eine substantielle Integrationspolitik gestalten zu können.

Die Förderung von SO der MigrantInnen erscheint deshalb als angemessene Herangehensweise zur Bekämpfung von Rassismen am Arbeitsmarkt. Denn es geht dabei um orientierte/orientierende Selbstvertretung – und nicht um eine (durch die Mehrheitsgesellschafter) institutionalisierte, oft gut gemeinte und die eigenen hegemonialen Mechanismen vergessende, Stellvertretung. Dieses Prinzip geht davon aus, dass die “Betroffenen” am besten ihre Bedürfnisse kennen und Darstellungs- und Umsetzungsformen entwickeln können, welche Arbeitsfelder in Ökonomie, Bildung und Kultur aufschließen helfen. Die Unterstützung von aktiven Partizipationen in/durch SOM können Machtgefälle zwischen Mehr- und Minderheiten reduzieren. Denn erst wenn etwas als Unterschiedenes ernst genommen wird, ist eine respektvolle Verbindung möglich.

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